Startpunkt | 21.03.2021

Der Menschensohn ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und gebe sein Leben als Lösegeld für viele. – Matthäus 20,28

Meine Schulzeit ist schon ein Weilchen her. Ich werde mich aber immer an eine Begebenheit erinnern, die mich tief bewegt hat. Seit 2008 ist es verboten an Schulen zu rauchen. Zu meiner Zeit war es aber tatsächlich noch erlaubt und es gab sogar einen eigenen Innenhof für die Raucher. Es gab dort natürlich Aschenbecher, diese wurden aber nicht benutzt. Man warf die Zigarettenkippe einfach auf den Boden. Die Schule hat mehrfach daran erinnert, es wurden Verbotsschilder aufgehängt und Maßnahmen angedroht, aber es wurde immer schlimmer und die Kippen erstreckten sich bald nicht nur auf den Innenhof, sondern auch auf die Bereiche drumherum. Unser Schuldirektor war zu dieser Zeit Mitte 60 und für uns unfassbar alt. 🙂

Er war ein relativ kleiner und schmächtiger Mann, mit grauem Haar, immer im Anzug und jeden Tag mit einer handgebundenen Fliege um den Hals. Er war einer der gütigsten Menschen, die ich jemals kennengelernt habe und ein wunderbarer Lehrer. Und er kannte Gott und war in seiner Freizeit als Prediger unterwegs. Dass er Christ war musste er aber nicht sagen, man hat es gemerkt. Er hatte für jeden Schüler eine unfassbare Liebe.

Als die Situation im Raucherhof mal wieder eskalierte und die Pausenaufsicht, bei der Anordnung die Kippen aufzuräumen, wieder einmal komplett ignoriert wurde, nahm nun dieser Mann einen Besen in die Hand und fegte den kompletten Hof sauber. Hob jede Kippe auf und unterhielt sich dabei noch freundlich mit den Rauchern. Immer mehr Raucher schlossen sich ihm betreten an und entschuldigten sich bei ihm. Er antworte ihnen, dass eine Entschuldigung bei ihm nicht nötig sei, er sei hier um zu dienen und mache das gerne. Er bat nur darum auch den anderen Lehrern und den Nichtrauchern Respekt gegenüberzubringen. – Der Raucherhof war ab diesem Tag einer der saubersten Orte an der Schule.

Das Kapitel, in dem der Wochenspruch steht, ist in meiner Bibel mit dem Titel „Streit um die besten Plätze“ überschrieben. Jesus hat zuvor zum dritten Mal seinen Tod angekündigt und was passiert? Die Jünger fangen an sich um die Plätze zur rechten und linken Jesu im Himmel zu streiten. Jesus erklärt ihnen, dass er die Plätze nicht vergibt, sondern dass Gott das bereits entschieden hat. Und er führt weiter aus, dass das so ist, weil viele Große und Mächtige dieser Welt ihre Macht rücksichtlos ausnutzen und dass dies so nicht sein darf. Dass jeder der groß sein will, auch den anderen dienen und sich unterordnen muss. Auch er selbst, Jesus, kam um zu dienen und er kam um sein Leben hinzugeben.

Unser Direktor hat zwar nicht sein Leben für uns gegeben (wobei ich mir sicher bin, dass er sogar dafür die Bereitschaft gehabt hätte), sondern er hat in diesem Morgen „nur“ Zigarettenkippen beseitigt. Er war aber ein wunderbares Beispiel für jemanden, der seine Macht nicht ausgenutzt hat, sondern im Gegenteil gedient hat und sich untergeordnet hat. Und der jeden Menschen bedingungslos geliebt hat.

Jesus liebt uns auch bedingungslos und er gab sein Leben für uns. Und Gott gab seinen Sohn für uns, aus Liebe zu uns. – Ein Stück dieser Liebe für andere Menschen wünsche ich mir auch und ich wünsche mir für Dich, dass Du diese Liebe erkennst, sie annimmst und vielleicht ebenfalls ein bisschen was davon weitergibst.

Sabrina Bauer