Startpunkt | 14.02.2021

Seht, wir gehen hinauf nach Jerusalem, und es wird alles vollendet werden, was geschrieben ist durch die Propheten von dem Menschensohn. – Lukas 18, 31


Ich habe mir lange überlegt, was man zu diesem Vers schreiben könnte. Welche Gedanken kann ich Dir heute weitergeben?

Zuerst hat mich interessiert, von wo aus Jesus mit seinen Jüngern “hinauf nach Jerusalem” gehen wollte. Nachdem ein paar Verse weiter von einer Blindenheilung in Jericho die Rede ist, führte ihr Weg wohl durch die Judäische Wüste. Von 250 m unter dem Meeresspiegel hinauf auf 754 m über dem Meeresspiegel in die Stadt Jerusalem, wo alles vollendet werden sollte. Ich war auch schon einmal unterwegs von Jericho nach Jerusalem: 1987 in einem klimatisierten Reisebus. Ich muss zugeben, ich kann die Strapazen nur erahnen die vor diesen Männern lagen. Das Einzige, was ich am eigenen Leib spüren konnte war die unerträgliche Hitze außerhalb des Busses. Die Wanderwege durch diese Gegend werden von Wanderern und Pilgern als sehr anspruchsvoll beschrieben. Eine Tour, die man besser nicht alleine unternimmt. Es ist manchmal durchaus notwendig, dass man jemanden helfend die Hand reichen oder stützen muss.

Seine Jünger verstanden nicht, was Jesus ihnen sagen wollten, aber Er wusste, was ihn in Jerusalem erwarten würde: “Man wird ihn denen übergeben, die Gott nicht kennen. Die werden ihren Spott mit ihm treiben, ihn misshandeln, anspucken und schließlich auspeitschen und töten. Aber am dritten Tag wird er von den Toten auferstehen.” (Lukas 8, 32-33)
Der Weg an sich war schon eine Herausforderung und dann noch dieses Wissen über die nächste Zukunft. Wie oft brauchten Er und seine Jünger sich auf diesem steinigen Weg gegenseitig? Wie oft reichte man sich die Hand zur Hilfe, war dem anderen eine Stütze? Wie oft ermutige man sich gegenseitig durchzuhalten, weiterzugehen?

In ein paar Tagen beginnt für uns Christen die Passionszeit – eine Zeit, in der wir uns an das Leiden und Sterben Jesu erinnern. Auf das, was an Ostern seine Vollendung finden würde, bereiten wir uns in Gedenken traditionell bereits schon seit dem 4. Jahrhundert in der Fastenzeit vor. Während man früher der Meinung war, dass vom Verzicht auf Fleisch und Alkohol das persönliche Seelenheil abhängt, steht heute die Fastenzeit für 40 Tage der Besinnung, der Einkehr und manchmal auch der Umkehr. Eine Zeit, in der wir durch Verzicht Platz in uns schaffen, um mit Gott in einen engen Dialog zu treten … reden und hören, reden und hören … eine andere, eine neue Perspektive einnehmen … einen neuen Weg einschlagen oder sogar umkehren.

Sieben Wochen auf etwas zu verzichten, das uns wichtig ist, das gewohnt ist, fällt schwer. Manchmal schafft man es nicht alleine, braucht Mutmacher und Wegbegleiter. Wie gut, dass wir einander haben. Wir haben die Möglichkeit uns auszutauschen, das zu teilen, was Gott uns antwortet in der Zeit des Verzichts.

Kerstin Offermann

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