Monatsspruch Dezember 2020

Brich dem Hungrigen dein Brot, und die im Elend ohne Obdach sind, führe ins Haus! Wenn du einen nackt siehst, so kleide ihn, und entzieh dich nicht deinem Fleisch und Blut!  – Jesaja 58, 7

Für unsere »Wohlstandsgesellschafts-Ohren« mag unser Monatsspruch recht befremdlich klingen. Wen kennen wir schon, der hungrig, obdachlos oder nackt ist?

Wenn wir ehrlich sind, kennen wir solche Not doch fast nur noch aus dem Fernsehen. Not, die weit weg und anonym ist…

Doch wenn wir genauer hinschauen, finden wir auch in unserer Gesellschaft Menschen, die wenig haben oder durch Corona und die Pandemie-Folgen plötzlich in existenzielle Not geschlittert sind. Und vielleicht stehen wir selbst in Gefahr, dazuzugehören.

Dieses Gotteswort des Propheten Jesaja geschah in eine Situation Israels hinein, in der die Gesellschaft auseinander brach: auf der einen Seite pflegte man fromme Rituale wie Beten und Fasten, auf der anderen Seite wurden Schwache unterdrückt, man übervorteilte sich gegenseitig und stritt miteinander. Das passt einfach nicht und wird von Gott immer wieder scharf verurteilt.

Wenn in unserem Vers von »deinem Fleisch und Blut« die Rede ist, dann sind hier nicht die eigenen Angehörigen gemeint, sondern die Menschen an sich – als Ebenbilder Gottes.

Jeder Einzelne, ganz unabhängig von Herkunft, Hautfarbe oder sozialem Stand, ist in Gottes Augen wertvoll!

Und so ist jede gesellschaftliche Spaltung und das Verschließen der Augen vor der Not und Bedürftigkeit des andern gegen Gottes Herz und Gebot.

Jeder einzelne, der hat, ist aufgerufen, dem abzugeben, der zu wenig hat!

Das ist die Grundbotschaft der ganzen Bibel. Aufeinander zu achten, einander zu helfen, Gutes tun, Barmherzigkeit üben. Und aus Dankbarkeit Gott gegenüber abzugeben und zu teilen.

Vielleicht ist gerade die diesjährige Advents- und Weihnachtszeit eine große Chance, mit offenen Augen und offenem Herzen zu schauen, wen ich beschenken und dadurch eine besondere Freude machen kann. Jemandem, der in meinem direkten Umfeld lebt und dem es nicht so gut geht, wie mir selbst.

Vielleicht ist auch gerade so mancher Spendenaufruf zu Weihnachten eine Gelegenheit, mitzuhelfen, dass die Not anderer etwas verkleinert werden kann.

Wenn wir Gottes Aufruf ernst nehmen und leben, gelten uns seine wunderbaren Zusagen: Licht im Dunkel, Heilung, Gottes Gegenwart, Antwort und Hilfe in unseren eigenen Nöten (Jesaja 58, 8-11!)

Über allem aber steht die größte Zusage Gottes für unsere ganze Welt: der Mensch gewordene Sohn Gottes, Jesus Christus, – unser Retter und das »Licht der Welt«.

Er mache dein Leben froh und hell!

Pastor Ulrich Wosylus

 

Fotomontage: 3centista & monicore (pixabay.de)

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